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Roderich Feldes, ein Schriftsteller aus Eschenburg. Er setzte unserer Region ein Denkmal.

Roderich Feldes, ein Schriftsteller aus Eschenburg. Er setzte unserer Region ein Denkmal.

Eine Serie über das Leben und Werk von Roderich Feldes, ausgewählt und kommentiert von Albrecht Thielmann

Im Dezember 2021 wäre der Schriftsteller Roderich Feldes, der in Offdilln geboren wurde und in Eiershausen lebte, 75 Jahre alt geworden. Mit nur 49 Jahren verstarb er an einem Hirntumor. In einem seiner letzten Gedichte gab er seiner Krankheit einen kühl-beherrschten Ausdruck. Bei seiner  Beerdigung   würdigte  der  Ortspfarrer  Heim sein  Werk  so: „Er  hat  uns  einen  Spiegel  vorgehalten.“  und  „Er  hat  uns  ein  Denkmal  gesetzt.“ Es wichtig, an ihn zu erinnern. Das Thema von Feldes war „Heimat“. Was das war und heute sein kann, was einen Menschen trägt, hochaktuell ist das eigentlich, wenn wir nur an wirre politische Parolen in der Sache Identität denken. Aus seinen Erzählungen und Aufsätzen ist dazu viel zu erfahren.

Sein Vater war Förster in Offdilln, so auch Arbeitgeber und galt gesellschaftlich und politisch als der vordere Mann im Dorf. Er war führend unter den jungen Autoren, die Ende der siebziger Jahre entdeckten, dass diese dörfliche Welt für immer verschwinden wird. In seinem ersten Roman Lilar zitiert Feldes als sein Motto den Dichter der Mittelalters Werner von Gartenaere: Hier will ich sagen, waz mir geschach, daz ich mit minen ougen sach (Hier will ich sagen, was sich ereignete, das ich mit meinen eigenen Augen sah).

Wir werden aus dem Roman „Lilar“ von Roderich Feldes Auszüge bringen, um an sein Werk und an unsere gar nicht so ferne Vergangenheit zu erinnern.

Mitglied in Vereinen

Er war auch während seines Studiums aktives Mitglied des Offdillner Gesangsvereins. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Doktorarbeit zog er in seine Heimatregion zurück, zuletzt nach Eiershausen. Hier war dann sein Leben und Schreiben in vielfältiger Weise verknüpft. Seine Frau Gertraud unterrichtete an der Dorfschule und er war aktives Mitglied sowohl im Fußballverein, als auch im Gesangverein, und als Schriftführer in den Vorständen. In all seine Werke sind Erfahrungen dieser Teilnahme am Dorfgeschehen eingegangen. So in seinem zweiten Roman „Das Verschwinden der Harmonie“, in dem er vom tragischen Ende des Gesangvereins „Harmonie“ erzählt: Ein Diebstahl der Vereinskasse gibt den Anlass, detektivisch Einblick in das Innere des Dorflebens zu nehmen. Das Buch wurde vom Fernsehen verfilmt, wie auch andere Werke von ihm. In Eschenburg wurde damals einmal eine Gemeindevertretungssitzung vom Vorsitzenden Hans Holighaus vorzeitig abgebrochen, um die Fernsehverfilmung eines Werkes von Roderich Feldes nicht zu versäumen.

Zu seiner Herkunft stehen

Sein erster Roman heißt „Lilar“. Er erschien 1980 und hat viele biografische Bezüge zu seiner Kindheit in Offdilln. Wir werden in unserer Serie einzelne Szenen zitieren.  Der Namen „Lilar“, findet seine Erklärung in einer Schlüsselszene, in dem eine Junge vom Lehrer für seinen heimischen Dialekt verspottet wird. Die Hauptfigur im Roman ist in einem Dorf mit dem Namen „Birkenroth“ aufgewachsen. Feldes schildert den Versuch ihrer Heimkehr, nachdem sie für Studium und Beruf ihr Dorf verlassen hatte. Das Bild vom Heimatdorf lebte zäh in ihrem Inneren, blieb Fixpunkt, der außerhalb von allen Orten lag. Mit Hartnäckigkeit lässt Feldes durch diese Figur das Be­sondere dieser untergegangenen dörflichen Welt noch ein­mal aufleben, als Vergangenes. Er idealisiert nicht, er erinnert uns, was nicht vergessen werden darf. Und er kann erzählen. Seine Geschichten vom Dorf weisen über das Dorf hinaus: Sie bezeugen den Wandel in der Welt. Er sah sich als Zeuge einer Zeitenwende und er beschreibt die Folgen des Einzugs der Konsumwelt für den Menschen.

Heimatmuseum

Um Erfahrungen der Vergangenheit auch real anschaulich zu machen, initiierte Feldes zusammen mit dem Gastwirt Werner Kring Anfang der achtziger Jahre das Heimat-Museum, heute „Regionalmuseum Eschenburg“, das in vielen Sonderausstellungen Objekte und Darstellungen der dörflichen Lebenswelt in ihrem Wandel in großer Themenvielfalt nochmals vor Augen führt. Auch das ist eine Hinterlassenschaft von ihm.

Das rollende ‚R‘

Lehrerin Frau Bender mit dem jungen Roderich Feldes (letzte Reihe rechts). (Foto: Archiv Harro Schäfer

Der Titel „Lilar“ findet in der folgenden Szene seine Erklärung. Eine Ausdrucksform der dörflichen Kultur ist ihre Sprache: Nassauisch war sie und ist sie noch für die Älteren im Dillkreis und Westerwald, ein mitteldeutsches Idiom, das aber in jedem Dorf mit eigenem Akzent und eigenen Abweichungen gesprochen wird. Lehrer haben im heimischen Raum in den fünfziger und sechziger Jahren den Kindern den Dialekt auszutreiben versucht – dies einer der Gründe für sein Verschwinden – und  dies war dann auch noch mit Spott über die „Kulturform Dorf“ verbunden. Im Roman heißt es zu manchen Gymnasiums-Lehrern: „Sie (die Lehrer) wiederholten gelegentlich ihr applaussicheres Bonmot, obs denn da oben (im Dorf) Birkenroth schon so etwas wie Zivilisation gebe, oder ob die Kinder immer noch abends mit den Fahrrädern um die Tische fahren müssten, damit die Eltern Licht hätten“. Hier sei angemerkt: Südbayrische und schwäbische Regionen hatten und haben mehr Eigenwillen, ihren Dialekt zu bewahren.

„Christopher hatte es schwerer in der Stadt als ich. Seine Sprache ließ ihn leiden, drängte ihn aus der Geborgenheit der Normalität, als wäre über Nacht ein handgroßes Feuermal in seinem Gesicht gewachsen.

Er zeigte in Bahnhof auf die Schachtel mit den Mohrenköpfe und legte einen Groschen in die Schale. Er nahm sich Hefte aus dem Regal im Schreibwarenladen, hielt sie vor der Kasse hoch und wartete mit seinem Geld in der Hand, bis die Zahlenrolle eingerastet war und den Betrag anzeigte. Er versuchte in der Schule Sätze ohne „r“ zu sprechen und hätte, wenn er es gekannt hätte, gerne  Friederike Kempners „Gedicht ohne r“  aufgesagt, alle sechsundvierzig Strophen, wenn im dafür der „Erlkönig“ und „Kaiser Rotbart lobesam“ erspart geblieben wären.

In einem der ersten Diktate in Katzenburg hatte er lila mit „r“ geschrieben, lilar aus Gewohnheit, weil die Lehrer stets das End-R verschluckten. Als der Deutschlehrer die Hefte zurückgab, sagte er tief guttural: ‚Hrr, Christophehrr Wagnehrr, hiehrr ist dein Heft und lilahrr schrreibt man mit ohne Hrr‘. Die Klasse tobte, schrie vor Lachen und machte Christopher innerhalb von einer Minute zum Kehlkopfkrüppel.

Noch heute spricht er gegen seine Natur und schämt sich doppelt, schämt sich seines immer noch auffälligen Akzents und schämt sich, weil er sich deswegen schämt, anstatt dazu zu stehen und ihn als Herkunftzeichen anzunehmen.

Aus einem Dorf zu stammen, die Sprache dieses Dorfes zu sprechen, empfand er als mindestens so peinlich wie Unterhosen, die aus seiner Lederhose herausschauten, wenn sie hinter ihm herriefen, die mit den glatten Zungen und dem leichten Hauch über allen Buchstaben: Hrr, bei dir blitzts…

In Birkenroth war alles direkt. Aufschlüsseln mußte  man nichts, war selbst noch in der Wut des anderen geborgen, weil es ein Gewitter war und nicht wie ein Gewitter, weil sie verflog und nicht beständig über Jahre hinweg wie ein Gewitter war, dem nur ein kleiner Wind fehlte, um endlich loszubrechen. (Lilar Seite 103)“

Volksschule

Unser dritter Beitrag aus dem Roman „Lilar“ von Roderich Feldes schildert eine Szene in der Volksschule, so hieß die Grundschule damals. Ein Junge will eine Glocke mit in die  Schule nehmen. Dieses dörfliche Element stört die schulische Ordnung. Heute würde das vielleicht als kreativ angesehen. Aber damals waren Kinder   eine bitter notwendige Hilfe im Haus und auf den Feldern; Schulen wurden von den Bauern auch als ein Übel des Staates empfunden. Feldes zitiert dazu an anderer Stelle einen Eiershäuser Schwank aus den fünfziger Jahren. „Ein Baby kommt zur Welt. Niemand zu Hause. Auf dem Küchentisch liegt ein Zettel: Komm schnell auf den Acker. Wir häufeln Kartoffeln. Deine Eltern. –Heute müsste er lauten: Ein Baby kommt zur Welt. Niemand zu Hause. Es geht in den Flur ans Telefon, ruft die Eltern während der Arbeit an: Kommt schnell nach Hause und bereitet mich aufs Abitur vor. Eure Ann-Katrin.“

Die Glucke

Energie-Krise nach dem Krieg: Dass Schulkinder Brennholz sammeln und ins Klassenzimmer bringen mussten, stand damals vielerorten auf dem nicht vorhandenen „Lehrplan“. (Foto: Archiv Harro Schäfer)

Einmal fragte Klaus Frau Lehmann, seine Eltern würden fragen lassen, ob die Frau Lehmann damit einverstanden sei, dass er die Glucke mit in die Schule nehme, die würde nämlich immer von den Eiern runtergehn.

Frau Lehmann unterbrach mit einem Zeigestockschlag aufs Pult, sagte: Also, so was.

sagte: jetzt müsse sie sich erst mal setzen,

sagte noch mehrmals an diesem Tag, während wir Päckchen ausrechneten, etwas von bodenloser Frechheit und bäurischer Ungeheuerlichkeit,

sagte zwei- oder dreimal: wir sollten endlich mit dem Gegackere aufhören, schließlich seien wir kein Hühnerstall, noch nicht.

Ach Frau Lehmann, zwischen den Feldern hier und den manchmal vorbeiwischenden Bahnhöfen, weit genug von Birkenroth entfernt, um sich ohne Zwang zu erinnern, ohne von vergangenen Bildern überfallen zu werden, denk ich an Sie, an Ihre fast zarten Seufzer, an ihre Müdigkeit, die jedes Jahr zunahm, jedes Jahr ein bisschen Farbe aus Ihrem Gesicht zog und die Tränensäcke um Millimeter aufblähte.

Sie fürchteten sich vor Versäumnissen und konnten sie dennoch nicht verhindern. Die Pausen dauerten länger, als Sie es für richtig hielten. Die Haushefte entsprachen nicht Ihrer Vorstellung. Die Schuljahre waren immer zu kurz für die langen Lehrpläne.“

Als die Kühe abgeschafft wurden

 

Der Wandel im Dorf: Irgendwann gaben auch die letzten Bauern auf und verkauften ihre Kühe.

Heute geht es um das langsame Verschwinden der Landwirtschaft in den sechziger Jahren. Die meisten Familien lebten von ihr. Das verband, das bildete das Lebensspektrum, das das Dorf umfasste. Man war auf den anderen angewiesen und half sich gegenseitig. Es musste schon etwas ganz Ungewöhnliches vorgefallen sein, wenn jemand im Dorf einen anderen angezeigte oder gar die Polizei geholt wurde, auch wenn man sich nicht immer grün war.

Es gab eine selbstverständliche Verbindung von Mensch, Tier und Natur. Heute lesen wir von Nachbarschaftsprozessen, weil ein Hahn kräht oder von Anzeigen, wenn ein Schäfer durch das Dorf zieht und die Herde kleine dunkle Kügelchen auf der Straße hinterlässt. Über den Verlust des Naturbezugs der Menschen wird heute viel nachgedacht und geschrieben. Roderich Feldes beschreibt in „Lilar“ eine Szene, die exakt den Wandel in der Einstellung der Menschen gegenüber dem alten Dorf dokumentiert:

 „Nur wenige haben durchgehalten, haben keine Fichten auf ihre Felder gepflanzt und ihre Kühe nicht abgeschafft. Vor 15 Jahren gingen die Sonntagsspaziergänger schneller an den vier fünf Höfen vorüber, wo hinter halbhohen grau verputzten Mauern noch Mist saß und aus den Ställen , wenn sie für einen Moment stillstanden und den Atem anhielten, noch das Malmen und Schnauben der Kühe zu hören war.

Heute bleiben sie stehen vor den zweigeteilten Türen mit den blauen und grünen Schildern, die einen gesunden Rinderbestand bescheinigen, erinnern sich an früher, an alles Schöne, an die Morgenkühle während der Heumahdt, an die Mittagsversper zwischen goldgelberdigen Kartoffelhaufen, an die Wurstsuppen, an das quäkende Tuten des Hirtenjungen, wenn er die Kühe in den Hauberg trieb, heben die Kinder über die Ränder der unteren Stalltüre und lassen sie in die dunklen Ställe schauen, in denen die Kühe stehen, mit ihren Schwänzen nach den Fliegen schlagen und langsam ihre Köpfe auf die Menschen im sonnigen Quadrat drehen.

Siehst du Muhchen, fragen sie ihre Kinder, früher haben wir auch Muhchen gehabt. Da, wo jetzt die Garage ist, früher, als die Milch noch nicht in Plastikschläuchen aus der Molkerei ins Dorf kam.

Sie schauen in die Ställe und es kommt ein bisschen Wehmut in ihnen auf, ein schönes Bild aus der Zeit, in der sie mit dem Kuhwagen auf den Feldwegen fuhren und noch nicht mit den Autos auf den Autobahnen.

Sie denken an ihre versteppten Wiesen… und daran, dass die mit den Kühen nicht mit in den Urlaub im Zillertal fahren können, dafür aber die Landschaft vor der völligen Verödung bewahren. Und ihnen fällt ein Wort ein, das der Landrat prägte, als alle , die mitgeholfen hatten, aus Wagenrädern Blumenständern und Baumstämmen Sitzgruppen im Dorf zu bauen, Colabüchsen Reifen Lumpen aus den Wiesen und Hecken zu sammeln und mit dem Mulchgerät die harten Pflanzen, die selbst die Schafe hatten stehen lassen, klein zuknüppeln, den Gruppensieg im Wettbewerb  “Unser Dorf soll schöner werden“ feierten. Er hatte in seiner Rede von den Märtyrern der Ökologie gesprochen, den Bewahrern des Dorfbildes gesprochen, und damit die vier, fünf gemeint, die durchgehalten hatten mit Kühen, Hühnern, Schwein und Schafen.

Wenn sie sich umwenden und die schiefen Holzstapel, den angerosteten Pflug, die darüber gelegte Egge, die an der Hauswand festgezurrten Bohnenstangen, die zum Trocknen schräg gestellten Kisten mit Zwiebeln vor der Waschküche, die mit Plastikplanen abgedeckten Wagen und Karren sehen, den scharfen Jauchegestank aus dem Schweinekoben riechen, wenn sie an dem Vorgarten vorübergehen, in dem Gurken, Tomaten und Kohlköpfe wachsen, und keine Rosen, Astern und Chrysanthemen wie jetzt üblich, vergessen sie ihre Erinnerungen und das Wort des Landrats und denken: ein bisschen mehr Ordnung und ein bisschen weniger Gestank, könnten sich ruhig ein bisschen anpassen.“

Heut kommt der Driller

Der erste Roman von Roderich Feldes, ‚Lilar‘  hat viele biografische Bezüge zum Dorf Offdilln. Das Forsthaus liegt recht abgeschieden und der Hauptheld des Romans, der Sohn des Försters, hier der kleine Alexander, ist noch nicht vertraut mit dem Dorf. Der Driller, der einmal im Jahr ins Dorf kommt, ist ein Großereignis, auf das die Kinder sich schon lange vorher freuten. Das Ereignis war eingebettet ins bäuerliche Jahr und der Driller kam für vier Wochen. Die Kinder hatten nicht dieses Übermaß an Ablenkungen, wie sie es heute haben. Gisela, das Kindermädchen im Försterhaus, will mit Alexander zum ersten Mal ins Dorf gehen, nämlich zum Driller.

Gisela sagt:

‚Heut kommt der ‘Driller‘

Gisela schwärmt

‚Da kannst Du rundfahren und bis an die Wolken fliegen‘.

Gisela verspricht:

„Heut kannst Du beim Aufbau zugucken. Und heut Nacht schläfst Du bei mir. Und morgen gehst Du schon mittags zum Driller und fährst immer um die Welt rum. Und der Anton schießt Dir eine Rose fürs Knopfloch“.

Gisela weiß:

„Das ist das Schönste im ganzen Jahr, wenn der Driller da ist. Abends da fahren wir und da spielen sie ‚Das alte Haus von Rocky Docky‘ und ‚Anneliese , warum bistu bese auf mich‘ und wir sind lustig.“

Gisela rechnet:

„Für eine Mark kriegst Du sechs Karten. Für zwei Mark fünfzig fünfzehn, da bist Du eine Stunde lang in der Luft, so lange dauert eine Fahrt“.

Gisela ist sicher:

Das wird Dir bestimmt gefallen. Nachmittags sind alle Kinder da. Da ist was los. Da wird man gefangen und abgestoßen und saust weit raus und liegt waagrecht in der Luft. Das kitzelt im Magen.“

Gisela fragt:

„Du hast doch Lust mitzukommen oder nicht“

Ich habe Lust, und Vater und Mutter haben nichts dagegen, lassen mich mit dem Dienstmädchen ins Dorf gehen. Sie hält mich an der Hand, hält in der anderen ein kleines Köfferchen mit meinen Sachen“.

Der Junge aus dem Försterhaus – es liegt weit ab – der noch nicht im Dorf war, erblickt das Dorf zum ersten Mal und staunt:

 „Die Haselbüsche. Die Wiese. Die Schwarzerlen… Soweit bin ich bisher oft gegangen. Von hier aus sieht man noch das das blaue Schieferdach und den oberen Rand von meinem Fenster. Aber hinter der Brücke ist alles neu. Die Straße ist geteert, an den Rändern kantige Basaltsteine mit weißen Käppchen drauf. Apfelbäume werfen Schatten. Jetzt seh ich die Häuser, weiße Flächen mit Balken durchzogen, und so dicht beieinander, dass die Dächer fast zusammenstoßen.

Im Dorf gibt es kein Gras, nur Bäume ab und zu auf erdigen Höfen und in den Gärten, in denen linealgerade Reihen mit Möhren, Radieschen, Buschbohnen und Petersilie von Phloxstauden eingerahmt sind.

Am Brunnen stehen drei Jungen so groß, wie ich, schütten Brausepulver in die hohlen Hände, halten sie einen Augenblick unter den Wasserstrahl und lecken die aufbrodelnden Schaumberge weg.

Ich sage ‚Guten Tag und verneige mich zu ihnen hin. Sie halten die Hände vor ihre Münder, lachen durch die Nasen und drehen sich von mir weg und stoßen sich mit den Ellenbogen an.

„Warum lachen die denn so“?

„Weil im Dorf sagen die Kinder nicht Guten Tag, wenigstens nicht so, das sagt man nur zu den Erwachsenen“.

Ich werde rot. Was werde sie jetzt von mir denken.—–

Die nächste Folge aus Lilar beschreibt, wie der junge Alexander diese Erfahrung, von Dorfjungen ausgelacht zu werden, mit ihm macht. Es ist ja seine erste Erfahrung mit dem Dorf. Zunächst will er nur noch nach Hause.

Erstes Heimweh

Roderich Feldes als Kind.

Der erste Roman ‚Lilar‘ von Feldes hat viele biografische Bezüge zum Dorf Offdilln, wo Roderich Feldes aufwuchs (Foto). Auch im Roman liegt das Forsthaus recht abgeschieden und der Sohn des Försters, der kleine Alexander, ist hier noch nicht vertraut mit dem Dorf. Der Driller (das Karussell), der einmal im Jahr ins Dorf kommt, ist ein Großereignis, auf das die Kinder sich schon lange vorher freuten. Gisela, das Dienstmädchen der Försterfamilie, will mit Alexander zum ersten Mal ins Dorf gehen, weil der Driller da ist.  Aber so weit kommen sie nicht. Im Dorf müssen sie am Brunnen vorbei, vor dem Jungen ihre Brausepulver in der hohlen Hand zischen lassen. Alexander ist nicht mit ihnen vertraut und begrüßt sie, wie man Erwachsene begrüßt mit:

‚Guten Tag‘. Die Jungens schubsen sich an und lachen.

„Warum lachen die denn so?,“ frag ich Gisela.

„Weil im Dorf sagen sich Kinder nicht ‚guten Tag‘, wenigstens nicht so, das sagt man nur zu den Erwachsenen“.

Ich werde rot. Was werden sie jetzt von mir denken? Werd ich nachher allein dastehen und sie um mich herum? Werden sie sich anstoßen mit dem Ellenbogen und prusten? Wird mich keiner anstoßen morgen, dass ich waagrecht flieg bis an die Wolken?

„Ich glaub, ich geh besser nach Haus“

„Warum denn? Weil die paar Janhagel gelacht haben vor lauter Dummheit? Der Triller fährt, und wenn sie noch so viel lachen“

„Ich will aber trotzdem heim.“

„Aber warum denn nur? Drillerfahren ist fast so schön wie Weihnachten.“

„Ich hab Heimweh.“

„Heimweh? Man kann doch fast bis zum Forsthaus spucken“.

„Ich will aber heim“

„Also ich geh jetzt nicht nochmal mit Dir bis zum Forsthaus.“

„Brauchst Du auch nicht. Ich weiß den Weg. Zwischen den Steinen mit den weißen Käppchen durch, und von da gehe ich am Bach entlang, als würd ich fischen“.

Ich ging, die Sonne im Rücken, und vor mir ging mein langer Schatten, klebte am Boden, knickte an den Baumstämmen und Steinen hoch, ragte über die Böschung und ging in der Wiese unten weiter. Mein Schatten passte nicht zu den nur mit der Sonne wandernden Schatten der Bäume und Steine.

Und deshalb war ich auch nach Hause gegangen, weil ich nicht ins Dorf passte, noch zu wenig Spielregeln kannte, um wenigstens vorgeben zu können, ich würde passen.

Aber so klar hatte ich das damals nicht im Kopf. Es war ein Gefühl, und deshalb hatte ich es Gisela nicht sagen wollen.—–

An das besondere Ereignis, wenn der Driller ins Dorf kam, erinnert sich der erwachsene Alexander, als er in Katzenburg (Dillenburg d.V.) die Schausteller erkennt, die einst in seiner Kindheit in Birkenroth den Driller aufgebaut haben und er befragt sie:

„Mir sei aufgefallen, dass sie nicht mehr kämen, dass sie Mitte der sechziger Fahre aufgehört hätten, gar nicht mehr nach Birkenroth zu kommen.

Das sei richtig, sagten die Drillermänner auf dem Frühlingsmarkt in Katzenburg, …deren schwarze verwegene Bärtchen grau geworden waren…Nicht nur nach Birkenroth nicht mehr, sie führen überhaupt nicht mehr über die Dörfer, das würde sich nicht mehr lohnen. Nur die Märkte brächten noch einigermaßen was.

Aber früher, da habe doch keiner umfallen können auf dem Dorfplatz, dicht an dicht seien wir gestanden, wenn sonntags der Driller gefahren sei.

Früher, sagten die Trillermänner, nickten mit den Köpfen, vorbei, vorbei. Seit die Leute die Kühe abgeschafften haben, sei nichts mehr drin.

Merkwürdig, ich hätte genau das Gegenteil angenommen.

Hätten viele, aber früher sei der Driller die einzige Abwechslung gewesen und heute, wo alle mit Autos und Motorrad durch die Gegend kutschten…

Schade

Ja, Schade, schön seis gewesen, denn hier (auf dem großen Rummel in Katzenburg d. V) kämen sie sich vor, wie zwei Italienerhühner, die jahrelang lustig auf dem Mist gekratzt hätten und jetzt in eine Legebatterie gesperrt worden seien“

Der Schneesturm einst: Du musst, Du musst durch

Solche Schneehöhen kann sich heute kaum jemand vorstellen, auch nicht den gemeinsamen „Winterdienst” der Dorf-Bewohner. (Foto: Archiv Helmut Groos).

Die Winter waren einst in höheren Lagen des alten Dillkreises streng, dies vor dem Klimawandel. Breitscheid z. B. war dann nahezu abgeschnitten vom ‚Niederland‘, so nannte der damalige Breitscheider Dichter Fritz Philippi die untere Region an der Dill. Er war dort von 1898 bis 1905 Pfarrer. Der Schnee lag hoch, meist weit über einen halben Meter. Gefürchtet war der ‚Woost‘. So hieß der Schneesturm, der vom Höllkopf her fürchterlich wüten konnte. Um die Häuser zu schützen, waren die Dächer auf der Westseite fast bis auf den Erdboden herunter gestreckt. So heißt denn auch ein Werk von Philippi: „Unter den langen Dächern“. Es kam vor, dass Menschen sich im Schneesturm verirrten und erst im Frühjahr gefunden wurden. Wenn Dorfbewohner beim Eintritt der Dunkelheit noch nicht zu Hause waren, läutete man die Glocken, um ihnen eine Orientierung zu geben. Die Bauern konnten in dieser Zeit  Ruhe finden, die wir heute nicht mehr kennen. Es wurde getöpfert (Häfnerei), und es wurden z. B. Körbe geflochten. Es wurde unter den langen Dächern erzählt.

Für die anderen Jahreszeiten gilt, dass die Wachstumsperiode im oberen Westerwald gut einen Monat kürzer war, als im ‚Niederland‘ und Philippi hatte die Sache so ausgedrückt: Die Pflaumen im Westerwald brauchen zur Reifung zwei Jahre. In Offdilln, wo Roderich Feldes aufwuchs, hatte der Winter wohl nicht ganz die Strenge, wie im hohen Westerwald. Auch hier waren Dächer der Häuser Richtung Westen im ‚Niedergang‘.

Sowohl bei Philippi als bei Feldes finden wir eindringliche Schilderungen der Winterzeit, wie sie einmal Teil der menschlichen Erfahrung war: Wir zitieren hierzu eine Szene aus „Lilar“. Feldes  beschreibt, wie die Hauptfigur, der hier noch kleine Alexander, während der Schulpause heimläuft.  Er wurde von einem Klassenkameraden heftig angegriffen, weil die Lehrerin ihn vorlesen ließ, was die andern noch nicht konnten und er hat sich scharf gewehrt und sich dann allein auf den Weg gemacht ins ferne Forsthaus, sein Elternhaus. Er gerät dabei in einen Schneesturm.

Außer dem Wind kein Geräusch. Auf den Fenstern sind Eisblumen gewachsen. Hinter dem Dorf ein weißes Meer mit Bauminseln.

Schnee schießt mir entgegen, sticht in die Augen. Ich muß unter mich sehen, mich gegen den Wind stemmen. Der Weg ist unter den Schneewehen versunken. Ich sinke ein, spüre mein Herz im Hals schlagen, die Knie werden weich und knicken ein. Ich muß immer öfter stehenbleiben. Ich krieche durch die Schneewehen. Die Hosenbeine und Ärmel sind steif gefroren. Ich sehe die Obstbaumallee, kann mich an die Stämme lehnen, im Windschatten ausruhen. Durch durch durch, du mußt durch, egal wie. Und ich achte nicht mehr auf die Knie, den eisigen Schneestaub, der mir in die Ärmel fährt, nicht auf das Versinken, nicht auf den Sturm. Ich torkele über die Wehen, sehe das Brückengeländer, komm auf den Forsthausweg. Die Felsen halten den Wind auf. Ich sehe den Schnee nur noch wirbeln, spür ihn aber nicht mehr. Ich werde überall durchkommen. Ich habe mich lange genug verstellt und freundlich getan, und sie hassen mich dafür, sollen sie doch, ich will ja nur durch. Und zu Mama sag ich: „Och das, das ist nicht schlimm, wir haben nur ein bißchen gerauft.“

Medien schieben sich zwischen die Menschen

Der Roman „Lilar“ von Roderich Feldes ist kein nostalgischer Dorfroman, auch wenn er eindringlich Erinnerungen an das alte Dorf beschwört, von denen wir hier Auszüge zitieren. Der Roman erzählt von einer Enttäuschung. Alexander, die Hauptfigur flieht ja aus der Stadt Frankfurt und zieht wieder in seine Heimatregion, um wieder im Dorf zu leben. Es ist der Versuch einer Heimkehr. Er findet das Dorf radikal verändert vor. Es geht in dieser Folge um das, was den Zusammenhalt der Menschen bewirkt. Wenn im alten Dorf Menschen sich auf der Straße begegneten, riefen sich kurze Bemerkungen zu oder sie sprachen miteinander über das, was im Dorf aktuell war, oder was sie selbst betraf. Sie sprachen Dialekt. Wenn Leute aus demselben Dorf in der Stadt sich sahen, gingen sie unweigerlich aufeinander zu und erzählten sich, was sie vorhaben.

Das Wirtshaus war ein entscheidender Treffpunkt, an dem man sich begegnete, sich erzählte, sich kannte, sich stritt. Das Dorf und seine Geschichte bleiben nur lebendig, wenn es solche Orte gibt. Das Sterben der Gaststätten ist für das Gemeinwesen fatal. Feldes selbst hatte in den Zeiten, in denen er noch arbeiten konnte, keinen Fernseher.

Das Fernsehen hat seit Mitte der sechziger Jahre die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Jetzt spricht man mehr über die „taufrischen Medienereignisse, die unentwegt und unausweichbar konsumiert werden. Die Bundesliga, Lady Di, Die Peter Alexander-Show werden diskutiert. Immer häufiger spricht man über etwas, immer seltener miteinander. Auch in Eiershausen schieben sich die Medien zwischen die Ereignisse und die Menschen, nehmen ihnen die unmittelbare Erfahrungsmöglichkeit. Man geht auf Distanz.“, schreibt Feldes 1980 in seinem Aufsatz über Eiershausen.  Ohne es zu merken, entfernt man sich dabei vom Dialekt. Das Dorf und seine Menschen, die unmittelbare Umgebung, verlieren an Gewicht. Wir zitieren hier eine Erfahrung der Hauptfigur des Romans „Lilar“, des Rundfunkredakteurs Alexander, der in das Dorf Moosberg gezogen ist, ganz in die Nähe seines Heimatdorfes Birkenroth und der hier das alte Dorf zu finden hoffte. Ihn schmerzt, was da verschwunden ist, der Zusammenhalt, die Natürlichkeit. Wird das Dorf zu einem Ort, wo man nur noch schläft?

Im ersten Moosberger Juni: Glühwürmchen saßen im Gras oder schwebten durch die Äste im Garten. Aus den offenen Fenstern der Moosbergklause kamen Stimmen und dumpfe Schläge. Samstagabend. Der Würfelclub tagte. Ich stand am Fenster, sah in den anderen Fenstern das graue Licht der Fernsehgeräte zucken, in gleicher Weise zucken in über zwanzig offenstehenden Fenstern und hörte gleichzeitig aus über zwanzig Zimmern Familien lachen. Und ich stand da, sah den grauen Lichtern zu und fühlte mich schlecht, als hätte man mich ertappt, bei etwas Staatsfeindlichem ertappt, und ich versuchte, eh sie mich an den Pranger stellen konnten, Selbstkritik zu üben: Was will ich hier? Mitlachen? Das hätt ich in Frankfurt auch gekonnt. Will ich nur die Ruhe, die Luft, die Überschaubarkeit wie die Fremden? Ich sitze hier zufällig, könnte überall sitzen und Reportagen ausarbeiten. …Ich bin von den Metropolen geprägt, hab mir dort die Techniken erworben, die mich jetzt ernähren, …Ich bin… mit der ängstlichen und irrealen Sehnsucht, den dort genutzten Technologien entkommen zu können. Und wie um zu büßen stand ich lange da, unbeweglich, ließ die Nachtfalter sich in meinem Haar verfangen, ließ sie über meine Schläfen Augen Wangen flattern und hörte sie gegen die Fensterscheibe stoßen.

In der ersten Zeit, als ich den Schmerz zu spüren begann, der mich jedesmal durchschnitt, wenn in meiner Umgebung wieder ein Stück Leben abbröckelte und unter Beton verschwand, glaubte ich noch, es läge an privaten Geschehnissen, an seelischen Strapazen, die mich überempfindlich hätten werden lassen.

Ich redete mir ein: das geht vorüber, wart noch ein bißchen bis es ruhig wird in dir, dann wirst du sehn, es ist wie in Birkenroth. Schon immer wurde gebaut und die Landschaft verändert durch Straßen Eisenbahnlinien und Häuser, heute wird das überbewertet, und deshalb der Schmerz.

Aber der Schmerz blieb. Auch Monate danach. Die Unterschiede zu Frankfurt und Umgebung gab es noch: Es war stiller in den Nächten, und ich kannte die Leute um mich her. Es gab keine Staus und manchmal setzten sich viele zusammen, Nachbarn, junge Leute, und hatten Zeit, nicht aus Langeweile, sondern aus Spaß. Moosberg hatte sich in eine weitab liegende Schlafstadt verwandelt.“

Die Arbeit war für die Dorfkinder kein Spiel

Wir kommen wieder zurück auf die Kindheit unseres Helden. Es misslingt dem Försterjungen Alexander, -sein Elternhaus liegt ja außerhalb des Dorfes, Vorbild ist das Forsthaus Offdilln- mit Dorfjungen Kontakt aufzunehmen. Nach der ersten unglücklichen Begegnung auf dem Weg zum Driller will er vehement den Umkreis des Forsthauses nicht verlassen. Dies ändert sich aber durch ein Erlebnis. Bei einem Hochzeitfest im Dorf, zu dem seine Eltern ihn mitnehmen, lernt er beim Spiel am Rande des Festes Christopher kennen. Er erzählt:

Ich gehe rein zu Vater und Mama. Vater greift mir ins Haar, lacht und läßt mich einen Schluck Wein trinken. Mama geht mit mir zum Auto, wickelt mich in eine Decke, bettet mich auf den Rücksitz und fragt: »Wars schön?« »Ja.« »Hast du schön gespielt?« »Ja.« »Siehst du, du kleiner Dummer, hättest doch damals nicht heimlaufen brauchen, es frisst dich doch keiner im Dorf.«

Christophers Eltern betreiben noch Landwirtschaft und er hat darum wesentlich weniger Zeit zum Spielen. Vor allem bei der Ernte muss er helfen, wie einst alle Bauernkinder. Als er Alexanders Freund wird, sucht er nach ihm sogar mit dem Fernglas. Er richtet es nicht mehr nur auf irgendwelche Dinge in der Ferne, sondern er sucht auf den hohen Erntewagen, die über den steinigen Feldweg schaukeln, seinen Freund Christopher wieder zu erkennen. Die Arbeit war Spiel für den Försterjungen. Nicht für seinen Freund. Nicht oft erzählen Erwachsene, dass diese Art Kinderarbeit sie sehr belastet hat. In ‚Lilar‘ heißt es dagegen:

„Wenn ich jetzt über die Wiese ging, durch die Nusshecke kletterte und einen Gewannweg hochstieg, wollte ich Christopher treffen. Christopher zwischen Säcken, Tonkrügen, Sensenscheiden, Christopher beim Winden der Bünde für die Kornhausten, Christopher beim Mittagsläuten auf dem Wagen mit einem Schmalzbrot in der Hand, Christopher im Regen unter dem Wagen mit den jüngeren Geschwistern beim Schnureinfädeln in die Kartoffelsäcke. Manchmal, wenn ich Christopher entdeckt hatte, half ich ihm, das Heu auf den hohen Leiterwagen zusammen zu stampfen, durfte dann aus dem blaugrauen Tonkrug Wasser trinken und bekam ein Schmalzbrot. Die Arbeit war ein Spiel für mich. Und erst nach Jahren hab ich begriffen, dass sie für Christopher etwas anderes war.

Wenn er Lust hatte, über die Felsen bis zu den flechtenbärtigen Fichten zu steigen und von dort in den düsteren verhexten Buchenwald zu sehen, wenn er traurig war und dann gern das Lied vom blutigen Edelweiß gehört hätte, geschah nichts, spielte das keine Rolle, waren das Träumereien, die abends zwischen Dämmerschein und Nachtgebet aufkommen durften, aber im Tageslicht nichts zu suchen hatten und denen natürlich auch nicht nachgegeben wurde der Arbeit wegen, die für die Familien im Dorf eine Art Sisyphusstein war.

Denn nur während der großen Aktionen: der Heu- und Grummetmahd, der Korn- und Kartoffelernte, nahmen die Männer Urlaub »auf der Hütte« und standen schon im Morgengrauen auf den Wiesen oder Feldern. Das Häufeln Wenden Lesen, das Sammeln Füttern Legen war Frauen- und Kindersache. Aber trotz der unaufhörlichen, sich immer wiederholenden Bewegungen gab es keinen Fortschritt, der andere Bewegungen oder gar Pausen ermöglicht hätte. Jedes Nachlassen hätte ein Absinken in eine ungesicherte Zukunft bedeutet.

Deshalb konnte Christopher nicht wie ich vom Wagen steigen und »Tschüss« sagen »bis morgen«, konnte nicht mit mir gehen und den Waldarbeitern zusehen, das Brechen der Äste hören, das Sausen und Dröhnen, wenn die Bäume auf die Erde stürzten, konnte nicht Monikas Lieder hören, die sie mir beim Bügeln vorsang, konnte nicht das schwarze Wasser im Moos sehen hoch oben in den Brüchen, wo die Sauen ihre Suhlen hatten. Er musste Bünde flechten und das Heu stampfen. Es war Ernst für ihn und kein Spiel. Nur wenn der Triller kam, durfte er tagsüber so tun als ob, als ob er bis in den Himmel fliegen könnte, rund um die Welt über wilde Meere, gefährliche Wälder mit giftigem Viehzeug. Und deshalb war der Triller das Schönste im Jahr.

„Wej de Bittschöner koome“ – Szenen aus dem Roman „Lilar“

Nach dem Krieg 1945/46 kamen viele Sudetendeutsche in den Dillkreis. Sie waren aus ihrer Heimat im ehemaligen Sudetenland, heute Tschechien, nicht geflüchtet, wie man es oft falsch ausdrückt, sondern sie waren vertrieben worden.  Sie sprachen anders, melodischer und sie waren katholisch. Mancherorts im Westerwald wurde die bis dahin unbekannte Fronleichnamsprozession als ein Aufmarsch von Heiden empfunden. Sie brachten nur ein paar Säcke mit und mussten in beengte Wohnverhältnisse einquartiert werden. Die Dorfhäuser hier waren kleiner, einfacher, als ihre Höfe, aus denen sie vertrieben worden waren. Nicht selten bewohnte eine einquartierte Großfamilie ein einziges Zimmer.  Sie waren nicht willkommen. Es gab natürlich Ausnahmen. Später wurden am Rand mancher Dörfer Baracken gebaut, so in Breitscheid. In den fünfziger Jahren entstanden dann die Siedlungshäuser. Ihrer Freundlichkeit wegen nannte man sie die ‚Bittschöner‘; sie sagten in ihrer höflichen Art sehr oft ‚Bitteschön‘; es gab über sie das Wort ‚Sudetengauner‘, anderswo hießen sie schon mal Kartoffelkäfer, die ja als Schädling gelten. Diese Notzeit war für sie ein schmerzhafter Prozess des Ankommens im alten Dillkreis. Das darf nicht vergessen werden.

Für einen kleineren Teil ihres verlorenen Besitzes erhielten sie später eine finanzielle Unterstützung, den sogenannten ‚Lastenausgleich‘. Von Eberhard Betz stammt das schöne Gedicht  „Wej de Bittschöner koome“, das schildert, wie sich langsam die Achtung vor den Vertriebenen bildete. Ihre Tüchtigkeit und Freundlichkeit tat viel dazu. Nur noch die Alten wissen davon.

Roderich Feldes schildert im Roman „Lilar“ eine dramatische Szene, die in den fünfziger Jahren am Rosenmontag im Wirtshaus spielt: Der beschwingte Sudetendeutsche Sedlacec  lässt sich von einem Schreihals provozieren. Der „Lastenausgleich“ wird als Beleidigung hochgespielt. Die Gäste schauen gerade im Fernsehen den Rosenmontagsumzug. Fernseher gab es damals fast nur in Gasthäusern. Unser junge Held Alexander, wird von seinem ehemaligen Schulkameraden Georg in den Gastraum gerufen und so wird er Zeuge dieser Szene.

Sedlacec und Hanswahnersch

Georg steht in der Tür und ruft uns zu: „Der Hanswahnersch Gustav is widder schwer in Fahrd unn der Sedlacek is dambich. Der Jürgen unn der Wilfried sinn auch da.“

Im Gastraum ist es fast dunkel. Die Vorhänge sind zugezogen. Wir setzen uns auf einen Tisch, der ohne Stühle an der Wand steht. Auch die anderen Tische stehen verlassen, ohne Funktion, stehen in einem kleinen Meer von Stühlen, auf denen Männer sitzen mit Biergläsern in den Händen, die nur selten etwas sagen und dann auch nur meist „Walter“.

Walter, Georgs Vater, schwimmt durch das Stuhlmeer auf diese Anrufe zu und nimmt die Gläser aus den nach hinten hochgereckten Händen und bringt sie gefüllt zurück. Ich kenne die Männer: Maurer und Waldarbeiter, die zur Zeit stempeln oder „Schlecht-Wetter“ machen, Hüttenarbeiter, die Spätschicht haben, Rentner, die froh sind, dass heute schon vor Mittag im Gasthaus was los ist. Die Männer schauen alle in die gleiche Richtung, schauen leicht nach oben in die Ecke, in der auf einem Bord ein Fernsehgerät steht. Der Fernsehansager sagt weniger offiziell und lockerer als an gewöhnlichen Tagen: „Und jetzt ist wieder Köln an der Reihe.“ Auf dem Bildschirm erscheint eine Straßenschlucht. Zwei Menschenmauern von den Hauswänden bis tief in die Straße stehen sich gegenüber. Die Kamera kommt näher, löst die Mauern auf in Reihen und Gruppen, in schunkelnde Ketten mit Ringelpullovern, Sackhosen, Clownsnasen, Narrenkappen, riesigen umgehängten Schnullern, mit Bierflaschen und Flachmännern in Händen, die wie Taktstöcke den Schunkelbewegungen um Sekundenbruchteile….

Während ein Wagen mit dem Motto „friedliche Koexistenz“ ins Bild fährt, während sich auf dem Wagen Chruschtschow und Kennedy mit Boxhandschuhen kräftig in die Magengegend schlagen, singt Sedlacek auf seinem Stuhl:

„Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder.“ Er stößt das Glas im Takt ruckartig in die Luft, als wolle auch er einen Koexistierenden treffen und singt gegen die missbilligenden Blicke:

„Am dreißigsten Mai ist der Weltuntergang, wir leben nicht mehr lang.“ „Falsch, völlig falsch!“ ruft mitten aus dem Meer der Hanswahnersch Gustav und singt: „Am dreißigsten Mai geht ein Flüchtlingstransport, se wolle ned mehr fort, se wolle ned mehr fort.“ Das Meer wellt und lacht.

Im Fernsehen: Ein Wagen mit tanzenden Mädchen in Dragoneruniformen, Wolken aus Haaren unter den Dreispitzen, mit fest-gerastetem Lächeln findet keine Beachtung mehr. Der Sedlacek steht auf, stützt sich auf der Stuhllehne ab und wendet sich dem Hanswahnersch Gustav zu, fährt das Bierglas gegen ihn aus, was zur Folge hat, dass auf Anton ein Bierstrahl zuschießt. Anton ruckt zur Seite. Der Strahl trifft den Hund des Jagdaufsehers, der erschrocken auffährt und bellt.

„Ruhe!“ ruft der Sedlacek, „Hasso, halt die Schnüss. Daß du überhaupt noch lebst, Hanswahner, das beweist doch nur, dass der Mensch auch ohne Gehirn auskommt, oder dass du einfach zu faul bist, um tot umzufallen.“ „Ganz im Gechesatz zu euch Flüchtlinge. Ihr fallt, wann ihr fallt, immer die Trepp eruff. Drüwwe habder de Kidd aus de Fensder gefresse unn hier margierd ihr de digge Wilhelm.“

„Seid froh, daß wir bis hierhergefallen sind, sonst hätten die Amerikaner in Birkenroth mit Waffengewalt den aufrechten Gang einführen müssen.“

„Ich will dr mal was sache, du dabbicher Sedlacek. Die größd Bomb, die im ganze Kriech gefalle is, die is drüben bei euch gefalle. Der Dregg is bis nach Birkenroth gespratzt.“ Das Männermeer tost, und der Sedlacek richtet sich auf, obwohl er schon aufgerichtet steht, und weil er merkt, daß er schon aufgerichtet steht, stürzt er auf den Hanswahnersch Gustav los und schreit: „Schubiak, dreckiger, der du bist!“ Er stürzt über Antons Knie, fällt auf den Hund, der sich sofort in der dick wattierten Schulter verbeißt und den Sedlacek zaust und schüttelt. Vier Männer packen den Sedlacek an den Armen und den Beinen. Der Hund hat die Jacke von der Schulter bis zum Kragen aufgerissen. Die Watteeinlage hängt aus dem Riß heraus wie eine stark belegte Zunge. Der Jagdaufseher schreit: „Hasso! Platz!“ Hasso mit gesträubten Nackenhaaren knurrt, setzt sich zwischen die Knie seines Herrchens. Der Sedlacek schwebt zwischen den vier Männern durch die Stuhlreihen, zappelt und stimmt ein neues Lied an:

»Wo lahme Ochsen krumme Furchen ziehn/wo selbst Zigeuner mit Galopp durchfliehn/wo Knecht und Magd aus einer Schüssel fressen/da ist das Land der scheelen Hessen!«

„In Katzeburg is neulich e Brügg gegrachd, Sedlacek, unn weißde auch warum?“ fragt der Hanswahnersch Gustav eigentlich gar nicht und gibt gleich selbst die Antwort: „Da is en Flüchtling mim Lasdeausgleich drüwwer.“ Das Meer rauscht. Die vier Männer tragen den Sedlacek raus, kommen wieder rein und lachen. Walter füllt die Gläser. Die Männer lachen noch vereinzelt, beginnen sich für einen riesigen Hintern in einer Lederhose zu interessieren, die das Türchen hinten hat und gerade ins Bild kommt.

Der Hund grunzt und legt sich unter den Stuhl des Jagdaufsehers. Wir rutschen vom Tisch und gehen raus. Der Sedlacek schwankt auf der Straße, hat einen schneeigen Rücken, singt laut und untermalt seinen Gesang mit wilden Gesten:  „Dahin, dahin will ich nicht flüchten. Da geh ich lieber stiften.“


Diese Beitragsserie stammt von Albrecht Thielmann, Hartigstraße 10, 35683 Dillenburg, Telefon (02771) 829147.

Damals – die Geschichtsseite der Tageszeitung – hat am 04.01.2023 eine Sonderseite „Der Region ein Denkmal gesetzt“ veröffentlicht.

 

 

 

 

 

Volkstrauertag: Denken bleibt unsere Daueraufgabe

Denken bleibt unsere Daueraufgabe

Als sichtbares Zeichen des Gedenkens an die Toten der beiden Weltkriege sowie aller Opfer von Gewaltherrschaften und Kriegen wird in allen sechs Ortsteilen ein Kranz am jeweiligen Mahnmal niedergelegt.

Die Kranzniederlegungen finden am 13.11.2022 zu folgenden Zeiten statt:

  • 10:00 Uhr      Simmersbach, An der Friedhofshalle
  • 11:00 Uhr      Roth, An der Friedhofshalle
  • 12:00 Uhr      Eibelshausen, An der Friedhofshalle
  • 13:00 Uhr      Hirzenhain, Ehrenmal Friedhof
  • 14:00 Uhr      Wissenbach, Ehrenmal Friedhof
  • 15:30 Uhr      Eiershausen, „Alter Friedhof“

Die Gedenkveranstaltung wechselt jährlich, in allen anderen Ortsteilen legen wir Kränze nieder. „Verweile und gedenke“ steht in Wissenbach an unserem Denkmal. Auch wenn uns in diesem Jahr keine Chöre zur Seite stehen, wollen wir an Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ denken, das in der Vertonung von Othmar Kist das Herz ergreift. Und das Lied „Der gute Kamerad“ hätte der Posaunenchor genauso mitfühlend intoniert, wie es ja auch eigentlich 1809 geschrieben worden war.

Und in Wissenbach gibt es vier Kriegsgräber auf dem Friedhof, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Denn Erinnern für die Zukunft, das ist das Thema vom Volkstrauertag. Gerade weil in Europa wieder Krieg herrscht, dürfen wir nicht nachlassen, auch in Zukunft die Erinnerung wachzuhalten, als Volk zu trauern und dafür uns einzusetzen, dass die Welt um uns herum friedlicher wird und friedlich bleibt. Ein Denkmal ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein Mahnmal für die Zukunft: Immer mal wieder denken bleibt unsere Daueraufgabe.


Volkstrauertag – ein stiller Feiertag

Wenn die Fahnen Trauer tragen: Am Volkstrauertag ist auch am Rathaus der Gemeinde halbmast geflaggt. Und dieser stille Feiertag steht unter einem besonderen Schutz.

Zwar keine stattliche Zahl von Besuchern bewegt der Volkstrauertag, aber es ist ein staatlicher Feiertag. Er gehört zu den stillen Tagen, die das Gesetz wie den Karfreitag und den Totensonntag unter besonderen Schutz gestellt hat, was mit „Tanzverbot“ zu kurz dargestellt wäre. Seit 1952 wird der Volkstrauertag zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen und erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen, wurde die Idee in der Weimarer Republik noch nicht als Feiertag begangen, im Dritten Reich zum „Heldengedenktag“ heroisiert, aber nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges unter den Nationen begangen mit dem gegenseitigen Versprechen: Nie wieder Krieg!

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag findet jeweils im Deutschen Bundestag statt.

Eine zentrale Gedenkveranstaltung im Wechsel, aber in allen Ortsteilen Kranzniederlegungen, haben sich in der Gemeinde Eschenburg eingespielt. Denn Volkstrauer muss eine Heimat haben, meinen wir.

Deshalb halten wir auch an jedem Denkmal das Totengedenken ab, wie es Bundespräsident Theodor Heuss im Jahr 1952 eingeführt hat.

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Die Gedenkstunde, die traditionell unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten steht, beginnt um 13.30 Uhr und wird vom ZDF direkt übertragen.

Totengedenken

Wir denken heute

an die Opfer von Gewalt und Krieg,

an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken

der Soldaten, die in den Weltkriegen starben,

der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,

die verfolgt und getötet wurden,

weil sie einem anderen Volk angehörten,

einer anderen Rasse zugerechnet wurden

oder deren Leben wegen einer Krankheit

oder Behinderung als lebensunwert

bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,

die ums Leben kamen, weil sie Widerstand

gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,

und derer, die den Tod fanden, weil sie an

ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern

um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege

unserer Tage, um die Opfer von

Terrorismus und politischer Verfolgung,

um die Bundeswehrsoldaten und

anderen Einsatzkräfte,

die im Einsatz für uns ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer,

die bei uns durch Hass und Gewalt gegen

Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern

mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.

Wir denken darüber nach, wie leicht sich Neid und Hass zu Gewalt und Krieg entfachen und dann Fremde und Schwache zu Opfern machen.

Wir mahnen

damit dieser Tag auch in Zukunft uns gedenken und nachdenken lässt, dass Friede nicht nur die Abwesenheit von Krieg ist.

Wir müssen handeln,

damit Frieden geschaffen und gesichert wird – auch durch diesen Volkstrauertag.

Unser Leben steht im Zeichen der

Hoffnung auf Versöhnung unter den

Menschen und Völkern,

und unsere Verantwortung

gilt dem Frieden unter den

Menschen zu Hause und in der Welt.


In jedem Ortsteil steht ein Denkmal

Erinnern und Ermahnen: In jedem Ortsteil steht ein Denkmal, das uns an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft denken lässt.

Volkstrauer muss eine Heimat haben. Deshalb „wandern“ wir sonst mit der Gedenkveranstaltung durch die sechs Ortsteile, legen aber an allen Denkmälern Kränze nieder. Manchmal sagt man auch „Ehrenmal“. Nur wenn wir uns erinnern, ehren wir die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Deshalb ist es wichtig, dass wir in allen Ortsteilen mit(ge)denken. In Wissenbach steht „Verweile und gedenke“ auf dem Mahnmal. Und mir fällt immer wieder auf beim Blick auf die Lebensdaten: Das waren junge Leute, die das ganze Leben noch vor sich gehabt hätten. In Stein und Stahl sind auf den Friedhöfen die vielen Namen verewigt. Die Bronzetafeln von Eibelshausen und Simmersbach sind gestohlen worden, aber wir konnten die Namen rekonstruieren und neue Tafeln in einem zeitgemäßen Material anfertigen. „Es bleibet unvergessen der Toten stille Schar kein Maß kann je ermessen wie groß ihr Opfer war“, lautet der Spruch in Eiershausen. Vorstellen können wir uns das heute nicht, aber wir sehen Namen, die uns bekannt sind. Hier sind nicht nur Familien betroffen, die heute noch im Dorf leben. Es gibt sogar viele Kriegsopfer, deren Namen lebt heute in Verwandten weiter. „Zum Gedenken der Toten beider Weltkriege“ steht aufm Roth an der offiziellen Gedenkplatte, aber auf einer Tafel der Heimatstube sind zu allen Personen auch Fotos und „Hausnamen“ zu finden. Der Krieg hat in jedem Haus, in jeder Familie Lücken gerissen. „Unseren Helden“ ist der alte Stein von Hirzenhain überschrieben. Als Helden sind diese Menschen nicht gestorben. Sie sind auch hier gestorben als Söhne, Väter, Ehemänner, Brüder… Der Volkstrauertag bleibt eine Verpflichtung für uns alle von zum Erinnern und Ermahnen. Oder wie es in Simmersbach so treffend (wieder) auf der Tafel steht: „Sorgt Ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe.“

Es ist wie bei alten Fotos: Wenn die abgebildeten Personen niemand kennt, sagt uns die Aufnahme nichts, sondern ist nur ein schönes Bild. Deshalb wollen wir zum Volkstrauertag 2020 zu allen sechs Denkmalen und den Kriegsgräbern die Namen veröffentlichen. Indem wir Erinnerungen weitergeben, bewahren wir ihnen ein ehrendes Andenken.


Denkmal Eibelshausen

226 Namen: Nach dem Diebstahl der Bronzeplatten 2017 wurden die Namen wieder auf Platten aus zeitgemäßem Material gebracht. Hier sind nicht nur Opfer des Krieges in alphabetischer Reihenfolge vermerkt, sondern auch Flucht und Vertreibung spielen hierbei eine Rolle.

Die Bronzetafeln von Eibelshausen wie von Simmersbach sind 2017 gestohlen worden. Den Gremien und vielen Bürgern der Gemeinde war es wichtig, dass wieder Tafeln mit den Namen als Denkmal auf den Friedhof kommen. Mit 2.335 € Spenden konnten 2018 wieder neue Tafeln angebracht werden. Der Ortsbeirat besorgte zudem für die Lebensdaten der Opfer das Geburtsjahr, soweit es zu ermitteln war. Damit kann man nun ermessen, wie jung die meisten Kriegsopfer waren, die gestorben sind (†) oder vermisst blieben (v). Aus dem ersten Weltkrieg (1914-1918) sind auf den Tafeln 50 Namen, aus dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) 176 Namen aufgeführt.

Im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

1914-1918

Robert Aurand * 1873 † 25.12.14

Karl Philipp Bücher * 1884 † 24.9.15

Karl Daum * 1894 † 4.11.15

Emil Eckhard * 1895 † 21.3.18

Ewald Eckhardt * 1883 v 15.9.14

Reinhard Eckhardt * 1886 † 20.9.14

Melchior Eichstädt † 26.9.15

Heinrich Emmerich * 1894 † 19.8.15

Fritz Heinz * 1882 † 21.3.15

Karl Heinz * 1890 † 26.9.15

Hermann Heupel * 1893 † 15.9.15

Adolf Hofheinz * 1897 † 30.9.18

Emil Klingelhöfer * 1891 † 18.4.17

Friedrich Klingelhöfer * 1897 † 3.11.17

Heinrich Klingelhöfer * 1894 † 28.7.15

Karl Klingelhöfer * 1891 † 17.6.17

Reinhard Klingelhöfer * 1876 † 9.9.14

Heinrich Krenzer * 1883 † 14.10.16

Emil Müller * 1893 † 27.8.15

Friedrich Müller *1881 † 30.11.14

Friedrich Müller * 1890 † 5.10.14

Fritz Müller * 1876 † 1.4.16

Fritz Müller * 1883 † 5.8.16

Fritz Müller *1891 † 13.10.18

Gustav Müller * 1880 † 26.9.15

Heinrich Müller * 1882 † 25.9.15

Karl Heinrich            Müller * 1875 † 29.7.18

Karl Müller * 1885 † 26.9.14

Karl Müller * 1889 † 15.10.18

Reinhard Müller * 1880 † 9.4.18

Theodor Nix * 1885 v 15.9.14

Reinhard Orth * 1884 † 15.9.14

Karl Ortmann * 1884 † 26.9.15

Karl Peter * 1893 v 4.10.14

Albert Pfeifer * 1893 † 16.3.15

Karl Pfeifer * 1890 † 9.6.15

Moritz Schneider * 1894 † 5.9.18

Wilhelm Schuppert * 1895 † 17.2.18

Heinrich Schwehn * 1884 v 30.9.15

Oskar Schwehn * 1895 † 19.8.18

Reinhard Schwehn * 1893 † 25.9.15

Adolf Stäger * 1893 † 20.8.15

Albert Stenger * 1896 v 5.11.16

Albert Stenger * 1899 † 24.2.18

Reinhard Stenger * 1877 † 22.11.14

Albert Stoll * 1886 † 26.9.14

Karl Thomae * 1890 † 19.5.15

Friedrich Wagner * 1890 † 23.10.18

August Weber * 1886 † 3.10.15

Friedrich Welsch * 1891 † 22.9.16

1939-1945

Franz Ax * 1914 † 9.9.42

Karl Reinhard Bach * 1903 † 5.1.45

Reinhard Emil Bach * 1908 † 4.4.44

Horst  Bauer v 01.45

Werner Bauer † 4.45

Erna Becker * 1909 † 12.12.44

Heinrich Berthold † 22.3.45

Helmut Blank v 19.4.44

Adam Blassl v 4.3.45

Hermann Braun * 1904 † 21.4.45

Albert Ciliox * 1903 † 30.3.45

Otto Wilhelm Daum * 1912 † 25.6.44

Otto Debus *1913 † 10.6.40

Otto Dorndorf * 1914 † 24.10.41

Josef  Eckert † 23.7.43

Bernhard Eckhardt * 1926 v 22.7.44

Erwin Eckhardt * 1916 † 8.6.40

Ewald Eckhardt * 1916 v 6.4.44

Hans  Eckhardt * 1923 † 27.10.41

Heinz Eckhardt * 1923 v 29.6.44

Oskar Ernst Eckhardt * 1912 † 2.9.44

Otto Eckhardt * 1921 † 8.5.45

Paul Heinrich Eckhardt * 1925 † 14.7.44

Walter Eckhardt * 1902 v 10.6.45

Anton Frank † 12.5.44

Filipp  Freund v 4.4.45

Eugenie Fröhnel v 3.45

Ferdinand Fröhnel † 4.3.45

Heinrich Fuchs * 1905 † 13.2.45

Emil Gail * 1897 † 10.8.41

Walter Friedrich Gail * 1908 v 28.1.43

Helmuth Geis * 1925 † 16.8.44

Peter  Geiser † 9.5.45

Paul Granzow * 1901 † 18.2.42

Emil Grau * 1910 † 16.8.44

Anton Grund v 27.3.44

Walter Grund † 2.1.45

Dr. Hermann Haase † 02.12.43

Lidi Haberer † 13.2.45

Reinhard Hain * 1903 † 8.46

Karl Erich Hain * 1919 † 24.6.43

Paul Hain * 1922 † 20.4.44

Heinrich Hansmann * 1905 v 10.1.45

Richard Hansmann * 1909 † 29.6.43

Karl Heinrich Hartmann * 1921 v 26.12.42

Karl Gerhard Hast * 1926 † 24.11.44

Dr. Karl Heinz * 1911 † 6.7.41

Walter Heinz v 12.4.45

Alfred Henrich * 1916 † 27.7.41

Heinrich Friedrich Hess * 1918 v 14.1.43

Walter Hof * 1913 v 21.12.42

Alwin Hofheinz * 1906 † 1.10.44

Friedrich Hofheinz * 1910 † 6.8.41

Hermann Hofheinz * 1915 †31.12.44

Karl Walter Hofheinz * 1922 v 20.7.44

Reinhard Hofheinz * 1892 † 2.1.45

Franz Ludwig Höfler * 1924 v 15.8.44

Anton Höfner † 24.3.45

Johann Höfner † 20.4.45

Rudolf Höfner v 5.2.44

Rudolf Junker † 10.3.45

Wenzel Junker † 27.1.44

Otto Kehr * 1916 † 20.1.45

Gerhard Keller v 5.42

Franz Kieweg † 7.6.44

Daniel Klein † 24.11.43

Otto Klein * 1916 † 9.2.45

Martin Klier 1.45

Karl Klima † 20.5.45

Emil Klingelhöfer * 1915 † 10.9.43

Erich Klingelhöfer * 1914 † 19.7.44

Erich Ernst Klingelhöfer * 1920 † 14.7.41

Erich Martin Klingelhöfer * 1921 † 26.8.42

Erwin Emil Klingelhöfer * 1915 v 22.8.44

Ewald Reinhold Klingelhöfer * 1925 v 7.7.44

Friedrich Heinrich Klingelhöfer * 1914 † 12.6.42

Heinrich Klingelhöfer * 1919 † 21.8.1941

Karl Klingelhöfer * 1908 † 10.8.46

Karl Klingelhöfer * 1911 † 12.10.40

Karl Albert Klingelhöfer * 1911 † 12.10.40

Karl Heinrich Klingelhöfer * 1919 † 1.1.43

Martin Emil Klingelhöfer * 1923 † 29.10.44

Otto Heinrich Klingelhöfer * 1917 † 07.5.45

Otto Walter Klingelhöfer * 1927 † 19.9.44

Reinhard Klingelhöfer * 1915 v 3.45

Reinhard August Klingelhöfer * 1899 † 14.5.45

Theodor Klingelhöfer * 1913 † 8.45

Josef  Koringer * 1912 † 11.3.45

Pepi Krause * 1924 † 26.8.44

Friedrich Wilhelm Krenzer * 1912 v 45

Heinrich Wilhelm Krenzer * 1919 v 18.1.45

Otto Heinrich Krenzer * 1914 v 45

Johann Kriebel * 1916 v 3.1.43

Johann Kriegelstein v 26.10.43

Alfred Kübeck * 1915 v 45

Oskar Künkel * 1912 † 23.3.43

Albert Kunz * 1906 † 15.4.44

Hans Kunz † 27.2.44

Rudi Eberhard Kunz * 1908 † 21.5.49

Ernst Kurz v 10.8.44

Wilfried Kurz † 10.12.44

Heinz Landsberger † 18.8.44

Otto Heinrich Lautz  * 1908 v 8.8.43

Georg Leinberger † 10.7.44

Stefan Leinberger † 12.11.44

Lorenz Liebisch † 45

Friedrich August Lohmann * 1912 † 20.9.46

Karl Rudolf Lohmann * 1904 v 16.1.45

Walter Loisch † 15.1.45

Josef Manges † 13.4.44

Otto Medenbach * 1912 † 11.8.44

Kurt Meister * 1922 † 16.10.43

Fritz Menzel † 3.45

Erich Friedrich Müller * 1909 v 1.45

Ernst August Müller * 1919 † 29.8.43

Friedrich Müller * 1918 † 1.11.41

Friedrich Karl Müller * 1907 v 10.4.44

Friedrich Wilhelm Müller * 1912 v26.12.42

Karl Müller * 1908 † 22.7.41

Manfred Müller * 1927 † 17.9.44

Otto Friedrich Müller * 1906 † 10.9.44

Otto Walter Müller * 1922 † 10.9.44

Walter Paul Müller *1928 † 14.3.45

Friedrich Wilhelm Nassauer * 1909 † 12.4.44

Heinz Nassauer * 1924 † 12.9.43

Walter Neul † 28.1.43

Karl Willi Nickel * 1912 v 10.03.45

Werner Adolf Orth *1924 v 16.2.43

Josef Peter * 1901 v 45

Otto Peter * 1912 † 26.6.44

Karl Pfeifer *1921 † 7.2.42

Karl Heinrich Pfeifer * 1902 † 8.10.44

Karl Otto Pfeifer * 1923 † 15.7.44

Walter Pfeifer * 1918 † 15.7.42

Hugo Plepla v 11.44

Günter Pletz † 10.4.44

Ernst Pohl * 1915 † 10.9.41

Josef Pretsch † 21.2.43

Josef Ratzka v 13.10.44

Oskar Reh * 1904 † 16.8.44

Theodor Röder † 11.9.43

Alfred Rompf * 1907 † 17.2.45

Willi Rompf * 1919 † 2.8.44

Paul Sahm * 1926 † 21.9.44

Albrecht Schaffhauser v 45

Mathias Schaffhauser † 18.9.43

Wilhelm Schindler † 24.7.41

Otto Schleussner * 1914 v 2.45

Emil Friedrich Schmidt * 1902 † 28.11.45

Erich Schmidt * 1912 † 25.9.43

Karl Friedrich Scholl * 1888 † 25.3.45

Godwin Schwarz * 1908 † 16.4.45

Karl Heinz Schwedes * 1925 † 16.1.45

Emil Schwehn * 1912 † 2.4.45

Emil Schwehn * 1915 † 4.10.42

Ernst Schwehn * 1913 v 24.3.45

Friedrich Oskar Schwehn * 1919 † 10.8.41

Hans Paul Schwehn * 1924 † 25.4.44

Otto Schwehn * 1910 † 15.2.43

Otto Albert Schwehn * 1914 v 13.1.45

Reinhard Hermann Schwehn * 1915 v 17.7.43

Oskar Sieber  v 5.45

Karl Stenger * 1912 † 26.12.45

Kurt Stenzel * 1906 † 26.11.45

Helmut Stoll † 24.9.44

Rudi Strack † 3.12.42

Fritz Thielmann * 1924 † 24.9.44

Heinrich Thielmann * 1903 † 16.2.46

Erwin Urban * 1906 v 45

Anton Waltinger † 26.11.43

Karl August Weber * 1911† 23.6.44

Kurt Walter Weber † 19.4.45

Kurt Walter Welsch * 1923 † 20.10.44

Anna Wolter † 19.4.45

Hermann Wolter † 4.45


Denkmal Simmersbach

Bleibende Sorge: In Simmersbach konnten nach dem dreisten Diebstahl der Bronzeplatten die Namen rekonstruiert werden.

Wie in Eibelshausen sind auch die Bronzetafeln von Simmersbach 2017 gestohlen worden. Den Gremien und vielen Bürgern der Gemeinde war es wichtig, dass wieder Tafeln mit den Namen als Denkmal auf den Friedhof kommen. Mit 1.230 € aus Spenden konnten 2018 wieder neue Tafeln angebracht werden. In chronologischer Reihenfolge werden die Toten und Vermissten aufgelistet. 37 Namen aus dem ersten Weltkrieg (1914-1918) und 63 Namen aus dem zweiten Weltkrieg (1939-1945). Die lange Kolonne der Namen schließt mit der Mahnung: „Sorgt Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibt.“

Im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

1914-1918

Wagner Adolf † 29.08.1914

Müller August † 22.09.1914

Klein  Adolf † 20.10.1914

Leisler Friedrich † 25.11.1914

Rein Ferdinand † 11.11.1914

Geil Otto † 11.11.1914

Wagner Reinhard † 24.11.1914

Rein Heinrich † 16.02.1915

Reh Adolf † 16.02.1915

Konrad Heinrich † 14.04.1915

Roth Otto Heinrich † 03.05.1915

Müller Heinrich † 16.06.1915

Reh Karl † 23.07.1915

Reh Ferdinand † 25.09.1915

Geil Rudolf † 05.10.1915

Klein Karl † 08.12.1915

Jacobi Rudolf † 06.06.1916

Müller  Gustav † 03.08.1916

Reh Otto † 28.08.1916

Theiß Karl † 07.09.1916

Rein Albrecht † 29.10.1916

Rein Rudolf † 02.11.1916

Wagner Heinrich † 21.06.1917

Reh Otto † 19.07.1917

Konrad Rudolf † 31.07.1917

Geil Karl † 29.08.1917

Reh Gustav † 25.03.1918

Roth Julius † 24.04.1918

Wagner Wilhelm † 26.06.1918

Theiß Heinrich R. † 15.07.1918

Rein August † 18.07.1918

 

Vermisst blieben

Kuhn Heinrich

Roth Adolf

Ciliox Wilhelm

Geil Rudolf

Klein Ludwig

Geil Robert

 

1939-1945

Ciliox Otto † 07.06.1940

Reh Adolf † 27.07.1941

Dietrich Ewald † 17.08.1941

Hinn Karl A. † 20.08.1941

Wagner Karl † 02.10.1941

Geil Otto † 03.10.1941

Wagner Rudolf W. † 06.10.1941

Reh Rudolf † 11.10.1941

Reh Erwin † 06.11.1941

Wagner Adolf † 06.10.1941

Ax Franz † 09.09.1942

Wagner Wilhelm H. † 22.11.1941

Schneider Walter † 30.11.1941

Müller Otto † 17.01.1942

Pfeifer Heinrich K. † 10.02.1942

Konrad Heinrich † 01.03.1942

Müller Otto † 15.01.1942

Michel Rudolf † 22.05.1942

Geil H. Adolf † 27.05.1942

Reh Wilhelm † 18.06.1942

Roth Karl † 11.08.1942

Wagner Adolf W. † 13.09.1942

Kolbe Erich A.G. † 28.12.1942

Schmidt Otto † 06.05.1943

Grimm Otmar A. † 05.11.1943

Klein Rudolf † 04.12.1943

Becker Hermann † 03.01.1944

Klein Adolf H. † 09.02.1944

Wagner K. Oskar † 17.02.1944

Wagner Alfried † 22.02.1944

Roth Alfred † 26.02.1944

Müller Emil †26.03.1944

Reh Artur †20.08.1944

Theis Adolf † 15.10.1944

Geil Alfred † 30.10.1944

Geil Gustav H. † 30.10.1944

Konrad Gustav † 20.12.1944

Geil Rudolf † 23.01.1945

Jacobi Oskar † 01.02.1945

Wagner Erich † 25.03.1945

Reh Erich † 03.04.1945

Wagner Willi † 17.04.1945

Daul Albert † 22.04.1945

Geil Richard † 22.04.1945

Wagner Otto † 03.05.1945

Molsberger Karl A. † 26.07.1945

Clemens Heinrich A. † 08.08.1945

Reh Alfred † 18.10.1946

Geil Emil † 26.07.1947

Vermisst blieben

Klein Otto 1943

Wagner Heinrich O. 1943

Primbs Alfons 1943

Ciliox Emil 1944

Daul Karl 1944

Müller Rudolf 1944

Hinn Albert 1944

Reh Artur 1944

Schmidt Walter 1944

Rein Ewald 1944

Wagner Rudolf K.1944

Ciliox Reinhard 1944

Bankmann Wilhelm O. 1944

Ciliox Richard 1945


Denkmal Eiershausen

Auf dem Alten Friedhof steht in Eiershausen das Denkmal, das im Jahr 1957 geschaffen wurde. Der Park bietet einen friedlichen Blick übers Tal.

 Unseren Gefallenen und Vermissten der Weltkriege

1914 – 1918

1939 – 1945

„Es bleibet unvergessen der Toten Stille Schar, kein Maß kann je ermessen, wie groß ihr Opfer war.“

1914

Hermann Fürschbach

Christian Becker

1915

Gustav Göst

Richard Heckelmann

Theodor Neef

Hermann Baum

1916

Otto Jeppe

Wilhelm Deis

Hermann Strömmer

1917

Otto Graf

1918

Ernst Holighaus

Willi Fürschbach

Wilhelm Hartmann

Hermann Holighaus

1919

Otto Hartmann

1940

Fritz Göst

1941

Alfred Paul

Helmut Holighaus

1942

Arthur Heckelmann

Karl Beyer

Erich Hampe

Johann Eckert

1943

Eugen Strömmer

Otto Klingelhöfer

Kurt Baum

Alfred Kunz

Gunter Holighaus

Otto Kunz

Ernst Nimmerrichter

Sepp Lenhardt

1944

Paul Thomas

Karl Hausmann

Erich Göst

Ernst Weinert

Hermann Sauerwald

Walter Baum

Martin Weinert

Paul Sahm

Emil Göbel

Anton Luft

1945

Bernhardt Strömmer

Robert Horch

Paul Fischer

Adolf Klingelhöfer

Herbert Schlotzhauer

Kurt Holighaus

Otto Holighaus

Emil Schwehn

Karl Watzka

Das Dunkel der Ungewissheit liegt über dem Wege von

1942

Walter Christ

1944

Herbert Kunz

Paul Stoll

Theo Clemens

1945

Hermann Fürschbach

Gustav Stranzenbach

Otto Rüsche

Paul Clemens

Alois Walter


Denkmal Wissenbach

Verweile und gedenke: In Wissenbach sind die Namen auf einer Betonmauer angebracht.

1914 – 1918

Gefallen

Karl Pfeiffer † 22.08.1914

Carl Weimar † 20.09.1914

Hermann-Aug. Roth † 31.10.1914

Robert Lückoff † 22.09.1915

Hermann Lückoff † 22.10.1915

Aug.-Wilhelm Weg † 25.02.1916

Richard-Adolf Weil † 22.04.1916

Gustav Bastian † 23.06.1916

Rudolf.-H. Pfeiffer † 02.07.1916

Hermann Henrich † 18.04.1917

Eugen Müller † 30.05.1917

Hermann Pfeiffer † 01.07.1917

Robert Klingelhöfer † 19.08.1917

Rudolf Köster † 01.09.1917

Heinrich Klingelhöfer † 29.10.1917

Oskar Thomas † 01.12.1917

Theodor Lückoff † 05.04.1918

Heinrich-Gust. Weg † 14.04.1918

Wilhelm Weil † 14.06.1918

Emil Waldschmidt † 23.08.1918

Paul Bastian † 27.10.1918

In Russland verschollen

Hermann Weil

 

1939 – 1945

Albert Hinterlang 1913 – 1940

Albert Pfeiffer 1911 – 1941

Paul Weg 1915 – 1941

Edmund Bastian 1917 – 1941

Karl Richter 1919 – 1941

Herbert Tapal 1919 – 1941

Karl Zwicker 1912 – 1941

Wilhelm Reeh 1919 – 1942

Fritz Haas 1919 – 1942

Walter Weitzel 1897 – 1942

Werner Lückoff 1914 – 1942

Theobald Roth 1917 – 1942

Moritz Franz 1916 – 1942

Eugen Müller 1921 – 1942

Karl Andreas 1921 – 1942

Heinrich Blumenstiel 1915 – 1942

Moritz Bastian 1915 – 1942

Erich Klingelhöfer 1921 – 1942

Herbert Roth 1911 – 1942

Arnold Lückoff 1917 – 1942

Helmut Andreas 1923 – 1943

Hans Müller 1911 – 1943

Willi Planz 1917 – 1943

Karl Schrödter 1915 – 1943

Willi Kuliga 1921 – 1943

Hugo Schubert 1906 – 1943

Otto Krenzel 1914 – 1944

Martin Christ 1913 – 1944

Lothar Müller 1919 – 1944

Oskar Lückoff 1911 – 1944

Reinhard Pfeiffer 1924 – 1944

Hermann Hofheinz 1919 – 1944

Hermann Nathmann 1914 – 1944

Richard Pfeiffer 1907 – 1944

Alfred Schäfer 1907 – 1944

Johann Heinr. Mehrfeld 1925 – 1944

Martin Müller 1925 – 1944

Karl Heiland 1918 – 1944

Reinhard Koch 1921 – 1944

Horst Schlaf 1922 – 1944

Gustav Riedel 1925 – 1944

Adalbert Stich 1912 – 1944

Willi Steuer 1900 – 1944

Johann Gottlicher 1903 – 1945

Godwin Schwarz 1908 – 1945

Erich Lommler 1910 – 1945

Wilfried Pfeiffer 1926 – 1945

Heinz Bender 1927 – 1945

Bernhard Blüder 1926 – 1945

Hans-Günther Jeide 1922 – 1945

Rudolf Schneider 1913 – 1945

Otto Kuliga 1892 – 1945

Günther Welsch 1928 – 1946

Karl Ortmann 1904 – 1947

Erich Diehl 1906 – 1947

Vermisst blieben

Otto Henrich * 28.10.1921

Friedrich Reuter * 09.01.1912

Wilfried Münch * 02.02.1925

Oskar Haas * 17.01.1909

Heinrich Muhlberg * 22.09.1908

Anton Bleier * 25.08.1920

Alfred Reeh * 31.03.1923

Eberhard Lückoff * 22.01.1904

Heinrich Weil * 31.12.1914

Konrad Bastian * 26.10.1913

Werner Hain * 20.10.1925

Oswald Hain * 05.01.1920

Hugo Lückoff * 09.10.1905

Hermann Lehmberg * 28.08.1919

Richard Sombrowski * 05.09.1917

Franz Tapal * 30.05.1888

Franz Stolz * 04.10.1904

Alfred Beimborn * 23.03.1923

Karl Pfeiffer * 07.10.1917

Heino Weitzel * 11.11.1925

Martin Hummel * 14.05.1908

Herbert Weil * 22.05.1924

Alfred Thomas * 13.01.1920

Fritz Müller * 07.04.1909

Berta Dietrich, geb. Weigel * 22.09.1899


Denkmal Hirzenhain

Früher an der Kirche, heute auf dem Friedhof: Das ursprünglich 1922 begonnene Ehrenmal stand früher in der Ortsmitte, wo heute der Parkplatz bei der Kirche ist. Heute werden an die Opfer beider Weltkriege auf dem Friedhof gedacht. Die Inschriften auf dem rechten Stein füllen allein die Gefallenen des letzten Kriegsjahres und die Vermissten.

1914-1918

Klein Willi Aug. 1914

Orth Reinhard 26.9.1914

Stoll Albert 26.9.1914

Busch Heinrich 26.9.1914

Dobener Wilh. Mor. 14.11.1914

Bieber Ernst 5.3.1915

Weigel Karl 12.8.1915

Weigel Albert 9.10.1915

Baum Hermann 13.3.1916

Flächsenhaar Wilhelm 20.3.1916

Busch Albert 17.4.1916

Freischlad Karl 6.5.1916

Speck Karl Herm. 3.8.1916

Bieber Ferdinand 28.8.1916

Hermann Karl Friedr. 8.6.1917

Baum Rudolf 27.11.1917

Bauk Paul 9.3.1918

Gräb Wilhelm vermißt seit 1914

Weigel Heinr. Ad. 1914

Baum Wilh. Jul. 1914

Dobener Herm. Hein. 1916

 

1939-1945

Teutsch Alfred 2.11.1940

Klein Ernst 13.9.1941

Hinn Alwin 11.10.1941

Weigel Otto 23.12.1941

Bastian Hans 29.12.1941

Weigel Albert 25.1.1942

Hermann Otto Adolf 7.5.1942

Grätz Willi 17.5.1942

Dobener Ernst 6.7.1942

Otto Heinrich 25.10.1942

Holighaus Adolf 2.12.1942

Theis Franz 8.1.1943

Voigt Erich 10.1.1943

Heupel Manfred 21.1.1943

Ackerhans Karl 1.2.1943

Hermann Artur 9.3.1943

Becker Karl 8.5.1943

Holighaus Fritz 14.5.1943

Sänger Hermann 10.7.1943

Deusing Rudolf 13.7.1943

Hermann Hans Alfred 14.11.1943

Schneider Heinz 14.11.1943

Mai Adolf 22.11.1943

Zeiß Heinrich 8.12.1943

Dittmann Willi 20.1.1944

Dobener Alfred 16.2.1944

Kirchner Fritz 8.3.1944

Bastian Rudolf 30.4.1944

Pöpperl Oskar 15.7.1944

Masurka Roman 9.8.1944

Bieber Martin 11.8.1944

Hinn Hermann 11.8.1944

Baum Ernst 26.8.1944

Klein Martin 31.8.1944

Baum Hermann 16.9.1944

Klein Heinrich 17.9.1944

Busch Kurt 14.9.1944

Bothe Wilhelm 20.9.1944

Holighaus Herm. Otto 18.10.1944

Baum Fritz 26.10.1944

Dobener Hans 18.12.1944

Holighaus Karl Friedr. 20.12.1944

Zeiß Karl 29.12.1944

Hermann Karl 16.1.1945

Moos Paul Januar 1945

Schneider Hermann 20.1.1945

Jakob Josef 10.2.1945

Dobener Adolf 12.2.1945

Schneider Wilhelm 26.4.1945

Dobener Rudolf 28.4.1945

Hermann Ernst Rich. 31.7.1945

Schmidt Josef 4.8.1945

Baum Friedrich Januar 1945

Frangen Heinrich 3.12.1945

Hermann Werner 21.4.1946

Hermann Herbert August 1946

Hermann Reinhard April 1947

Schneider Martin 20.8.1947

Bieber Werner vermißt seit 1941

Schneider Rudolf 1943

Klein Willi 1943

Interthal Paul 1943

Scharth Hermann 1943

Schneider Ewald Rudolf 1943

Sandner Rudolf 1943

Orschowy Berthold 1943

Lotz Alfred 1944

Busch Hans 1944

Dobener Hermann 1944

Hermann Ewald 1944

Bastian Ewald 1944

Pöpperl Josef 1944

Beckert Hermann 1944

Link Josef 1944

Skrobanek Gerhard 1944

Weber Franz 1944

Holighaus Willi 1945

Baum Martin 1945

Bieber Ernst 1945

Holighaus Hans 1945

Schneider Ewald 1945

Hermann Ernst 1945

Bieber Willi 1945

Bieber Heini Ernst 1945

Luy Heinrich 1945

Schmidt Martin 1945

Christ Alfred 1945

Christ Ernst 1945

Schneider Ernst Eugen 1945

Scherbaum Friedrich 1945

Sandner Adolf 1945

Hoffmann Walter 1945


Denkmal Roth

Geschichte bekommt Gesicht: Das Denkmal aufm Roth ist am Eingang der Friedhofshalle angebracht. Zum Volkstrauertag wird eine Tafel aus der Heimatstube dazugestellt, die neben Fotos der Gefallenen und Vermissten auch deren „Hausnamen“ zeigt.

Zum Gedenken der Toten beider Weltkriege

1914 – 1918

Heinrich Kunz 1892 – 1914

August Grau 1887 – 1914

Heinrich Dietrich 1883 – 1914

Heinrich Flach 1882 – 1914

Georg Rau 1884 – 1914

Heinrich Grau 1885 – 1914

Wilhelm Blöcher 1891 – 1915

Wilhelm Grau 1889 – 1915

Adam Ludwig 1891 – 1915

Georg Grau 1888 – 1915

Heinrich Klein 1895 – 1916

Adolf Klein 1896 – 1916

August Dorndorf 1880 – 1916

Heinrich Wagner 1887 – 1916

Wilhelm Achenbach 1886 – 1917

Albert Schneider 1897 – 1917

Heinrich Thomas 1897 – 1917

Georg Blöcher 1893 – 1918

Wilhelm Grebe 1898 – 1918

Heinrich Grau 1893 – 1918

Adolf Pfeifer 1896 – 1919

 

1939 bis 1945

Otto Thomas 1910 – 1941

Albrecht Ludwig 1921 – 1941

Ewald Lauber 1911 – 1941

Wilhelm Blöcher 1918 – 1941

Emil Sänger 1913 – 1942

Helmut Sänger 1923 – 1942

Walter Achenbach 1924 – 1943

Hans W. Schüssler 1924 – 1944

Werner Pfeiffer 1925 – 1944

Adolf Klein 1925 – 1944

Albert Dietrich 1923 – 1944

Emil Schneider 1908 – 1945

Heinrich Fuchs 1905 – 1945

Adolf Schneider 1912 – 1945

Richard Schneider 1902 – 1945

Heinrich Ludwig 1924 vermisst

Otto Ludwig 1922 vermisst

Otto Meister 1906 vermisst

Georg Rau 1914 vermisst

Alfred Schneider 1924 vermisst

Hugo Wagner 1915 vermisst


Kriegsgeschichte(n)

Der Eschenburgturm brennt: Im März 1945 kam der Krieg auch nach Eschenburg und immer noch glaubten einige an den Endsieg. Hier vier Eschenburger Episoden.

75 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges hätte gefeiert werden sollen. Dann machte Corona allen einen Strich durch die Planung. Und dabei sind es vor allem die Geschichte und Geschichten, die – richtig erzählt – uns alle schnell erkennen lassen, dass Gewalt keine Lösung ist. Die Gebrüder Kain und Abel zeigen uns in der Bibel, wie schnell einfacher Neid zum Mord führt. Bei jeder Geschichte aus Krieg und Gewaltherrschaft geht es nicht um Glorifizierung, sondern um die Genauigkeit. Unser Verhältnis zum Krieg sollten wir mit dem Lied „99 Luftballons“ ausloten und immer wieder aufs Neue lernen, „dass sowas von sowas kommt“.

Folgende vier Eschenburger Geschichten sind auch zu finden unter mittelhessen.de bei unserer Tageszeitung.

14. März 1945: Menschlichkeit siegt

Ein Bomber der britischen Royal Air Force wird überm Roth abgeschossen. Ein Überlebender soll vom Volkssturm getötet werden, doch die Rother lassen den Feind überleben.

Im Internet: https://www.mittelhessen.de/lokales/dillenburg/eschenburg/wut-hass-und-menschlichkeit-geschichte-eines-bomber-absturzes-in-roth_21414320

21. März 1945: Pilot stirbt wehrlos am Fallschirm

Eine Woche später wird bei einem Luftkampf der moderne Düsenjäger Me 262 in Luftkämpfe verwickelt. Ein 21 Jahre alter Pilot kommt mit dem Fallschirm aus der abgeschossenen Maschine und wird noch am Fallschirm von den Angreifern beschossen. In Hirzenhain ist Willi Ehrecke begraben.

https://www.mittelhessen.de/lokales/dillenburg/eschenburg/das-grab-des-toten-fliegers-am-fallschirm-hangend-erschossen_21610860

24. März 1945: Eschenburgturm geht in Flammen auf

Flamme empor hatten sich die Nazis anders vorgestellt. Die Bevölkerung erst recht. Der hölzerne Turm, schon vor den Nazis geplant, aber dann als Ausflugsziel wie als Appell-Platz eingespannt und als „Denkmal des deutschen Bergmanns“ Teil der Propaganda, geht nach einem Fliegerangriff in Flammen auf. Wir lernen heute noch daraus, dass Gemeinsinn und Engagement vieler missbraucht werden kann und dass der Brandschutz gewährleistet sein muss.

https://www.mittelhessen.de/lokales/dillenburg/eschenburg/ende-einer-propagandastatte-als-der-eschenburgturm-in-flammen-aufgeht_21457189

29. März 1945 Verzweiflung am Kriegsende

Ausgerechnet am Gründonnerstag wollen die letzten Haufen der Wehrmacht in Eibelshausen den Heldentod sterben. Nachdem Herborn und Dillenburg von den Amerikanern kampflos eingenommen worden sind, gibt es an der Dietzhölze zunächst Gegenwehr, die fast zur Katastrophe führte.

https://www.mittelhessen.de/lokales/dillenburg/eschenburg/fast-20-soldaten-sterben-in-eibelshausen_21480849


Prediger des Friedens

Verbrechen nicht verschweigen: In Eschenburg haben wir drei Kriegsgräber, darunter auch ein Massengrab für Zwangsarbeiter.

„Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens“, sagte Albert Schweitzer. Er hat mit dieser Einsicht auch in Eschenburg Recht. Neben den sechs Denkmalen in unseren sechs Ortsteilen haben wir auf den Friedhöfen auch drei Standorte mit Kriegsgräbern: 11 in Eibelshausen, 4 in Wissenbach und 2 in Hirzenhain stehen in der Statistik. Das Bundesverwaltungsamt zahlt (nach § 10 Abs. 4 Gräbergesetz für die Pflege von Gräbern der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft) pauschal für 17 Einzelgräber jeweils 19 € (Stand: 2017) und pro Sammelgrabfläche 6 €. Dafür bekommt die Gemeinde Eschenburg zusammen 371 € vom Kreis weitergeleitet.

Wir stellen zum Volkstrauertag 2020 alle Kriegsgräber vor und veröffentlichen das unter www.eschenburg.de/volkstrauer im Internet.

 

 


Kriegsgräber in Hirzenhain

Abgeschossene Piloten, verlorene Söhne: Das Kriegsgrab in Hirzenhain erinnert an den abgeschossenen Piloten, aber auch an den Verlust aus der eigenen Familie.

Kurz vor Kriegsende wurde Willi Ehrecke, ein 21 Jahre alter Pilot, von feindlichen Jagdfliegern abgeschossen und tödlich getroffen, als er wehrlos am Fallschirm hing. Diesen Luftkampf und dieses Gemetzel haben hier viele mitansehen müssen. Deshalb dürfen wir nicht vergessen, wie schlimm Krieg ist und sinnlos ein Soldatentod ist, wenn der Krieg doch eigentlich schon verloren ist.

Wir bedanken uns an dieser Stelle für die Bürger, die in Hirzenhain für die Pflege der beiden Soldatengräber vielfach eingesprungen sind und geholfen haben.

Wir lesen auf dem einen Grabstein:

Willi Ehrecke * 13.02.1924 – † 21.03.1945

„Er stieg zum Tor des Himmels empor und ließ die Erde zurück.“

Dahinter auf dem zweiten Grabstein:

„Hier ruht in Gott unser lieber Sohn und Bruder

Martin Klein * 21.8.1925 † 31.8.44 im Lazarett

Zum Andenken an unseren lieben Sohn und Bruder

Ernst Klein * 9.3.1921 † 13.9.1941 in Russland

„Schmerz durchbebt der Eltern Herz, doch es sucht Euch himmelwärts.“


Kriegsgräber in Wissenbach

Wird allzu schnell vergessen: Wir haben in Wissenbach vier Kriegsgräber, deren Familien heute noch trauern. Wir werden das Erinnern als bleibende Aufgabe sehen.

Bei den Daten weiß kaum jemand etwas zu erzählen. Nach der Schlacht um Stalingrad und der Sportpalastrede vom „Totalen Krieg“ sind wir alle verheizt worden und wollten auch nichts anderes glauben. In Wissenbach haben wir vier Soldatengräber zu pflegen als letzte Ruhestätte, teilweise sogar als Gedenkstätte in der Heimat. Die Toten nach den Inschriften:

Wilfried Pfeiffer * 22.01.26 + 22.01.45

Reinhard Pfeiffer * 15.09.24 + 27.04.44

Heinz Günther Jeide * 18.06.22 + 15.02.45

Günter Welsch * 02.08.28 + 14.06.46


Kriegsgräber in Eibelshausen

Fern der Heimat: Auf dem Friedhof in Eibelshausen gibt es ein Sammelgrab mit einem Kreuz aus Stein und zwölf Tafeln mit Inschriften. 18 Namen und zwei „Unbekannt“ sind demnach hier bestattet. Die Toten erinnern an zwei Zwangsarbeiter-Lager, die es im Krieg in Eibelshausen gegeben hat.

Auf dem Friedhof in Eibelshausen ist ein Sammelgrab für Zwangsarbeiter, die im zweiten Weltkrieg auf der Hütte und in anderen Betrieben schuften mussten. Ein Lager bei der Hütte und eines am Eibertshain soll jeweils 400 Personen Obdach geboten haben während ihrer Verschleppung. Auf dem Kriegsgrab steht als Inschrift: „Familien entrissen im fremden Land zur Arbeit gezwungen starben sie – Heimweh im Herzen – am Rande des schrecklichen Krieges und waren doch Menschen wie wir“. Heimweh dürfte das geringste Problem gewesen sein für die Frauen und Männer, Kinder und Greise.

Im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS – im Internet unter www.lagis-hessen.de zu finden) gibt es eine Suchmaschine „Topografie des Nationalsozialismus in Hessen“. Dort ist auch Eibelshausen zu finden.

Demnach bestand ein Lager für Zwangsarbeiter in Eibelshausen während des Krieges bei den Buderusschen Eisenwerken. Die dort untergebrachten 400 polnischen und russischen Frauen und Männer mussten in den Werken der Firma in Eibelshausen zwangsarbeiten. Zudem waren hier Kriegsgefangene untergebracht.

Im Gemeinschaftslager „Eibertshain“ brachten mehrere Betriebe ihre Zwangsarbeiter unter, zwischen Januar 1943 und März 1945 waren dort ebenfalls rund 400 Personen untergebracht.

Das Sammelgrab auf dem Friedhof in Eibelshausen weist eine Tafel auf mit der Inschrift „Familien entrissen im fremden Land zur Arbeit gezwungen starben sie – Heimweh im Herzen – am Rande des schrecklichen Krieges und waren doch Menschen wie wir.“

Auf den folgenden Tafeln sehen wir Kleinkinder und Greise aber auch neun Namen ohne Lebensdaten. Wir veröffentlichen ihre Namen und neigen unser Haupt in stillem Gedenken:

Unbekannt 04.04.45

Unbekannt 04.04.45

Michailo Postach * 02.03.24 † 17.04.45

Antonia Jarmak * 10.12.44 † 11.03.45

Chrestina Bosnowiona * 15.07.44 † 12.02.45

Anna Kolasawa * 13.07.71 † 28.11.44

Alexander Mechewog * 15.08.88 † 17.10.44

Grigori Schischkanowa * 09.05.25 † 30.9.44

Paul Terebillin * 20.07.43 † 10.07.44

Roman Niedziella

Josef Lis

Edmund Biletzki

Jan Wester

Ulrike Dukowna

Zofia Solczynska

Iwan Pituchow

Bronislaw Misztov

Tima Fiedosaw

Im April 1945 fern der Heimat gest.

Maria Kolesnik * 23.04.20 † 05.03.44

Vladislaus Tomazak * 11.07.11 † 25.02.44


Erinnern für die Zukunft

Unser kleinster Ortsteil Roth macht es allen vor. Zur offiziellen Gedenktafel wird zum Volkstrauertag aus der Heimatstube eine Tafel gestellt, wo die Kriegsopfer mit Fotos und „Hausnamen“ gezeigt werden. Geschichte bekommt ein Gesicht.

Zudem wird aufm Roth die Arbeit des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgestellt, der auch die letzte Ruhestätte von Rothern im fernen Russland pflegt. Der Volksbund, der sich überwiegend aus Spenden finanziert, betreut 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten, betreibt als einziger Kriegsgräberdienst der Welt eine eigene schulische und außerschulische Jugendarbeit sowie eigene Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten.

In einer frei zugänglichen Online-Datenbank sind über 4,8 Millionen gefallene oder vermisste deutschen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges zu finden. Über die „Gräbersuche“ kann man unter www.volksbund.de nach vermissten Angehörigen suchen und Informationen über die letzte Ruhestätte des Verstorbenen.

Das Erinnern, das wir auf allen Ebenen mit dem Volkstrauertag fördern wollen, soll eine Zukunft haben.

Gemeinsam geht’s: Vor allem mit alten Fotos, wie hier beim Volkstrauertag aufm Roth, kommt man ins Gespräch.